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mz-web.de: Assistenz-Trainer Stephan Klingner Das Multi-Sport-Talent

 

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – Am 2. Mai dieses Jahr hat Stephan Klingner einen langen Spaziergang durch Halle unternommen. Nicht allein. An jenem Nachmittag zog er mit Dave Rich durch die Straßen und gab dem Neuankömmling einen Crashkurs in Sachen neue Heimat. „Ich habe ihm ein bisschen die Stadt gezeigt“, erzählt Klingner. Und dabei unterhielten sich die beiden auch über Eishockey.

Wenn man so will, war dieser Nachmittag die erste Amtshandlung von Stephan Klingner als Assistenz-Trainer der Saale Bulls. Die Rolle hatte er zwar schon Ende der Vorsaison kurzzeitig übernommen, doch erst zu dieser Saison rückte er mit der Verpflichtung von Dave Rich als Cheftrainer für das Oberliga-Team dauerhaft an die erste Mannschaft heran. Wobei Klingner selbst eines wichtig ist: „Ich bin nicht Co-Trainer, ich bin Assistent.“

Wer diese Differenzierung verstehen will, muss zwei Dinge wissen. Zum einen: Klingners Hauptjob ist der des Eishockey-Landestrainers von Sachsen-Anhalt. Und da ist sein Aufgabengebiet die Nachwuchsarbeit. Und zum anderen: Er selbst sieht sich als Lernenden im Profibereich. „Ich habe ja selbst nie höher als vierte Liga gespielt“, sagt der 30-Jährige. „Da musst du dich erst recht erst einmal beweisen.“

Schwimmer und Radsportler

Klingner war selbst zwar nie Eishockey-Profi – er hatte aber sehr wohl seine Leistungssport-Karriere. Und auch wenn es dabei nie für die ganz große Spitze reichte, kreuzte er doch mehrmals die Wege von Sportlern, die später zu Weltstars wurden.

Dabei schien Stephan Klingners Weg eigentlich vorgegeben. Sein Großvater und sein Vater Michael waren Eisschnellläufer. Doch als 1990 die Eishalle am Gimritzer Damm schloss, mussten Alternativen her. Also entschied sich Klingner für das Schwimmen. In der fünften und sechsten Klasse ging er mit Paul Biedermann auf die Sportschule – und war zu diesem Zeitpunkt kaum schlechter. „Vor allem im Brustschwimmen habe ich die anderen in die Tasche gesteckt, war sogar Landesmeister.“

Doch während aus Paul Biedermann ein Weltmeister und Weltrekordler wurde, ging Klingner einen anderen Weg. Er verließ die Sportschule und fing an, sich für andere Sportarten zu begeistern. Der Eissport wurde langsam wiederbelebt, Eishockey rückte in seinen Fokus. Und parallel dazu Triathlon. Wobei Stephan Klingner da an ein Problem kam: „Laufen konnte ich gut, schwimmen sowieso. Aber das Radfahren musste ich lernen.“

Gegen Tour-de-France-Star

Also tat er es. Und wurde wieder gut. Klingner fuhr internationale Rennen, die ihn bis nach Japan brachten. Und er nahm an der Nachwuchs-Bundesliga teil. „Da bin ich – ohne, dass ich sie wirklich kennengelernt hätte – gegen Marcel Kittel und John Degenkolb gefahren.“ Beide sind heute Profis, Kittel ist der erfolgreichste Deutsche aller Zeiten in Sachen Tour-de-France-Tagessiege. Wieder so eine Wegkreuzung mit einem späteren Weltstar.

Es mutet fast kurios an, dass es am Ende aber doch das Eishockey war, dem Stephan Klingner treu geblieben ist. „Vom ersten Moment an, als es in Halle wieder losging mit Eishockey, war ich dabei.“ 1998 wurde wieder ein regulärer Spielbetrieb aufgenommen. Nur weil es da noch keine Strukturen im Nachwuchs gab, wechselte er kurzzeitig nach Erfurt.

Heute sind es genau diese Ausbildungsstrukturen, die Klingner als Hauptaufgabe entwickelt. Und es tut sich viel im Nachwuchs, knapp 100 Kinder spielen in Halle Eishockey. Als Landestrainer erstellt er die Trainingspläne, kümmert sich auf dem Eis um die U 8 und U 10, also jene Jahrgänge, deren Talente für die Sportschulen gescoutet werden. Unterstützung bekommt er dabei aus der ersten Mannschaft. Die Stürmer Johannes Ehemann und Maximilian Schaludek helfen bei den Jüngsten, Verteidiger Eric Wunderlich hat inzwischen einen Trainerschein gemacht, trainiert die U 14 und U 16.

Gut möglich, dass diese Arbeit mit dem Nachwuchs irgendwann auch auf den Profibereich durchschlagen wird. Klingner hofft, vielleicht in zwei, drei Jahren Talente auf dem Niveau zu haben, dass sie in den Oberliga-Kader hineinschnuppern können. Im Grunde also genau das, was er selbst gerade als Coach hinter der Bande tut.

Einen charmanten Nebeneffekt hat der Assistenztrainer-Job bei den Saale-Bulls-Profis übrigens. Paul Biedermann ist bekanntlich glühender Eishockey-Fan. „Wir hatten uns nach der gemeinsamen Schulzeit aus den Augen verloren“, erzählt Klingner. Im Eisdom haben sich ihre Wege wieder gekreuzt. Vielleicht auch am Sonntag, wenn die Crocodiles Hamburg in Halle gastieren. (mz, 15.12.2017)


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