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mz-web.de: Eishockey-Oberliga – Die Gründe für das Form-Hoch der Saale Bulls

 

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – So richtig verstehen konnte Daniel Mischner nicht, was sich da in der Kabine der Saale Bulls abspielte. Der Vereinspräsident war am Sonntagabend nach der 1:3-Niederlage gegen die Tilburg Trappers zur Mannschaft gegangen. „In der Kabine war Totenstille“, berichtete er später. „Die Jungs waren total niedergeschlagen.“ Also fühlte er sich in der Pflicht als Aufbauhelfer. „Ich habe gesagt, dass es überhaupt keinen Grund gibt für die Niedergeschlagenheit. Die Mannschaft hat gut gespielt.“

Saale Bulls sind jetzt defensiver ausgerichtet

Die Haltung des Vereinschefs war mehr als verständlich. Die Niederlage gegen den Meister war beileibe kein Beinbruch. Zumal die Bulls alles andere als chancenlos waren. „Wir haben 44 Schüsse abgegeben“, analysierte Trainer Dave Rich später. „Wenn mir das einer vorher gesagt hätte, hätte ich es nicht für möglich gehalten. Zumal wir auch einige richtig gute Chancen hatten.“

Genau das ist das eigentlich Erstaunliche dieser Tage. Die Bulls sind – unabhängig von der knappen Pleite gegen das Top-Team der Oberliga Nord – in überaus guter Verfassung. Zuvor hatte das Team viermal in Folge gewonnen, darunter auch am Freitagabend bei den Füchsen Duisburg. „Damit hätte keiner gerechnet“, meinte Kapitän Kai Schmitz mit Blick auf den Auswärtssieg und fügte vielsagend an: „Aber Duisburg hat einfach keine Mittel gehabt gegen unser System.“

Womit Schmitz den vielleicht wesentlichen Faktor des Saale-Bulls-Aufschwungs anspricht. „Wir haben unser Spielsystem ein wenig verändert“, erklärt Trainer Rich. „Wir spielen seit Wochen nur mit 13 oder 14 Feldspielern. Wir brauchten ein System, das es uns erlaubt, mit den Kräften zu haushalten.“

Wie die Saale Bulls die Gegner in die Falle locken

Die Lösung nennt sich in der Fachsprache 1:2:2-Trap. Anders als im Fußball, wo taktische Formationen von hinten nach vorn, also von Defensive zu Offensive angegeben werden, wird im Eishockey anders herum verfahren. 1:2:2 bedeutet also: Ein etwas offensiverer Mann, dahinter vier defensiv orientierte Spieler. Trap ist das englische Wort für Falle. Das System soll gezielt Puckverluste des Gegners in der Vorwärtsbewegung provozieren. „Im Grunde lassen wir den Gegner anlaufen und erwarten sie an unserer blauen Linie“, erläutert Verteidiger Jan Niklas Pietsch für den Laien verständlich.

Bei den Saale Bulls mutet das Resultat dieses Systemwechsels allerdings geradezu wie ein Treppenwitz an. War das Team in der Hauptrunde mit 3,2 Treffern im Schnitt eines der offensivschwächsten überhaupt, erzielte es mit seiner neuen Defensivausrichtung in den ersten drei Partien der Meisterrunde im Schnitt sechs Tore.

Und auch gegen Meister Tilburg war weit mehr drin als der eine Treffer, den Maximilian Schaludek per abgefälschtem Schuss zum zwischenzeitlichen 1:2 erzielte. Mehrmals vergaben die Bulls große Chancen, Philipp Gunkel und Johannes Ehemann gleich zu Beginn bei zwei Alleingängen. „Da hätten wir auch 2:0 führen können“, meinte Rich.

Ein Meistergriff von Trainer Dave Rich

Den Ausrutscher gegen Tilburg wollten deshalb weder Trainer noch Präsident Mischner zu hoch hängen. Gerade der Vereinsboss weiß: Rich ist mit der Neuausrichtung ein kleiner Meistergriff gelungen. Die hohe Kunst des Coachings ist es schließlich, einer Mannschaft ein System zu geben, mit dem sie das beste aus ihren personellen Möglichkeiten machen kann.

Und er Wechsel hat Wirkung gezeigt: Das Selbstbewusstsein im kompletten Team ist gestiegen. Auf einmal klappt es auch im Angriff. Und Erfolgserlebnisse motivieren zusätzlich Assistenzcoach Stephan Klinger bemerkt: „Sobald die Jungs ein Tor schießen, ist das sofort eine andere Mannschaft.“

Die Bulls haben trotz der Niederlage gegen Tilburg Rang fünf verteidigt, liegen nur noch fünf Zähler hinter dem vor einigen Wochen noch weit enteilten Lokalrivalen Icefighters Leipzig auf Rang zwei. Und der kommt am Sonntag zum Derby nach Halle. Nicht nur Vereinschef Mischner rechnet mit einem ausverkauften Haus. Ein perfekter Zeitpunkt also, um einen quantitativ besser besetzten Gegner wieder einmal in eine taktische Falle zu locken. (mz, 09.01.2018)

 


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