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mz-web.de: Hinten top, vorne Flop – Die Saale Bulls in der Einzelkritik

 

Von Christian Elsässer

 

Halle (Saale) – So ganz zu Ende ist die Saison noch nicht. Jedenfalls nicht für die Spieler der Saale Bulls. Eine Abschlussfeier gemeinsam mit den Fans ist schon Tradition. Und im April wird dann noch eine Premiere angegangen. Auf Initiative von Kapitän Kai Schmitz wird das Team gemeinsam nach Mallorca reisen, fast alle Spieler haben zugesagt. „Was die Stimmung in der Kabine angeht, war es großartig“, betont Schmitz. „Deshalb kam die Idee, die Saison gemeinsam ausklingen zu lassen.“

Doch der Teamspirit kann freilich nur ein Teil des Saisonfazits sein, der andere ist der sportliche. Und der fällt gemischt aus. In der Kurzzusammenfassung in etwa so: eine durchschnittliche Hauptrunde, eine brillante Meisterrunde, enttäuschende Playoffs.

Trotzdem war die Oberliga-Saison 2017/18 für die Saale Bulls ein Schritt nach vorn nach der chaotischen Spielzeit zuvor. Die Mannschaft hat Potenzial, das aber längst nicht ausgeschöpft wurde. Hier die Saale-Bulls-Spieler der Saison in der Einzelkritik.

 

DIE TORHÜTER

#1 Kevin Beech (31)

Zum Ende der Hauptrunde statistisch der Beste der ganzen Nord-Oberliga, hielt in 26 Einsätzen 93,1 Prozent der Schüsse. In den Playoffs dann der Absturz auf 88,9 Prozent und Platz 13. Ein guter Torwart, kein überragender.

#64 Patrik Cerveny (21)

Wäre gern die Nummer eins intern gewesen, kam auf 20 Einsätze in der Hauptrunde und war mit 92,1 Prozent Saves die Nummer zwei der Oberliga Nord – hinter Kevin Beech. Aber: Man beachte das Alter – Cerveny ist ein Talent mit großem Potenzial. Allerdings verlässt er den Klub im Sommer.

 

DIE VERTEIDIGER

#8 Jan Niklas Pietsch (26)

Lief den Saale Bulls im Grunde zu, weil es ihn privat zu seiner Freundin nach Mitteldeutschland zog. Und dann das: War in allen 48 Spielen dabei, zwölf Tore 28 Scorer-Punkte. Vor allem aber defensiver Anker. Auch wenn Pietsch in den Playoffs ein wenig die Puste ausging: bester Neuzugang der Bulls und in der MZ-Wertung der MVP der Saison – der wertvollste Spieler.

#9 Eric Wunderlich (29)

Hatte mit Verletzungen zu kämpfen, war in 34 Einsätzen vielleicht auch deshalb bei weitem nicht so auffällig als defensiver Abräumer. Unverändert ein guter Verteidiger, aber formschwächer als in der Saison zuvor.

#10 Steven Tarasuk (28)

Dauerbrenner fast wie Pietsch, stand 47 Mal auf dem Eis. Ein starker Verteidiger mit gutem Auge für die Spieleröffnung. 32 Scorerpunkte sind der Bestwert für einen Verteidiger. Sportlich gibt es keine Fragezeichen, strategisch muss aber die Frage erlaubt sein, ob ein Team, das so wenig Tore schießt, wirklich eine Kontingentstelle an einen Verteidiger ausgeben sollte.

#15 Tim Dreschmann (22)

War von Trainer Dave Rich als Verteidiger eingeplant – und dort überfordert. Kam dann vermehrt als Stürmer zum Einsatz und konnte überraschen. Zehn Tore – nur fünf Spieler im Kader erzielten mehr. Trotzdem passte es in der Chemie zwischen Spieler und Trainer nicht. Vertragsauflösung nach 32 Spielen.

#27 Lars Schiller (20)

Kam unter der Saison mit Förderlizenz aus Weißwasser. 18 Einsätze. Potenzial ist da, trotzdem nur in der Rolle als Ergänzungsmann.

#51 Vojtech Suchomer (23)

Ein körperlicher Verteidiger, spielerisch aber mit Defiziten. Stand 45 Mal auf dem Eis, sammelte mitunter etwas zu viele unnötige Strafen ein. Insgesamt solide, mehr nicht.

#89 Michal Schön (31)

Der Mann gehört zum Inventar, spielte die sechste Saison in Halle. 46 Einsätze, meist in der dritten Abwehr-Reihe. Ist ein stiller Charakter und übernimmt diese Rolle auch auf dem Eis: als wichtige Arbeitsbiene, nicht als lautstarker Frontrunner.

#91 Kai Schmitz (32)

Unumstrittener Leitwolf und Meinungsführer der Mannschaft. Kapitän mit Leib und Seele. Doch das paarte er auch mit Leistung. Erlebte seinen zweiten Frühling. Fit wie nie, 42 Mal dabei, obwohl von dauerenden Knieproblemen behindert. In dieser Form unverzichtbar. Und: Das Raubein von einst kam nur einmal durch – im Abschlussspiel in Regensburg, als er mit einer Aktion 52 Strafminuten sammelte.

 

Gesamtfazit Abwehr:

Die Defensive war das Prunkstück. 111 Gegentore in 44 Spielen vor den Playoffs war der zweitbeste Wert hinter den überragenden Tilburg Trappers. Gute Basis für die kommende Saison.

 

DIE STÜRMER

#3 Johannes Ehemann (21)

Vom Verletzungspech verfolgt, nur 31 Einsätze und neun Punkte. Werte, die ihn über die dritte Reihe nicht hinausgebracht haben. Doch gerade dort sind Mentalitätsspieler wie Ehemann gefragt und wertvoll.

#5 Maximilian Schaludek (24)

Neben Pietsch der einzige, der immer dabei war. Schnell auf den Kufen und an guten Tagen eine Dauergefahr für gegnerische Defensiven. Trotzdem schwankend in seinen Leistungen. Erzielte 18 Tore, 17 davon in den 44 Spielen der Haupt- und Meisterrunde. Damit war Schaludek bester Torschütze der Mannschaft – und das allein sagt leider alles: Denn ligaweit bedeutete das gerade mal Rang 38 in der Torjägerliste.

#16 Jannik Striepeke (28)

Gibt einen Rollenspieler, der für ein Team elementar ist: kämpferisch, körperlich, mannschaftsdienlich. Ist beileibe kein Mann für die gepflegte Eishockey-Gala, aber gerade deshalb wertvoll. 43 Einsätze, 25 Punkte.

#19 Nathan Burns (24)

Von Coach Dave Rich wegen seines deutschen Passes in Kanada ausgegraben, wo Burns eigentlich schon seine Karriere beendet hatte. Verliebte sich förmlich in Deutschland und Halle. Und diesen Wohlfühlfaktor übertrug er aufs Eis: 41 Spiele, 40 Punkte, bester Scorer der Mannschaft und neben Pietsch der wertvollste Neuzugang.

#23 Bryan Cameron (29)

Durfte nur viermal ran, ehe er für Nathan Robinson Platz machen musste. Die Statistik stimmte mit sechs Punkten, die Leistungen waren zum Teil dennoch blass.

#26 Kacper Guzik (24)

Kam in der Meisterrunde als dritter Ausländer, weil Nathan Robinson verletzt war. Dem musste er später wieder weichen. Kam auf zwölf Spiele und neun Punkte – stark angesichts seines späten Einstiegs. Kann vom Talent her nicht an Robinson heranreichen. Wahr ist aber auch: Als Guzik auf dem Eis stand, erlebten die Bulls ihre stärkste Saisonphase.

#39 Philipp Gunkel (29)

Wirkte, als würde er immer mit angezogener Handbremse spielen. Sein Talent ist unstrittig, körperlich haben die Leistungsdiagnostiken ihn als fittesten Spieler ausgewiesen. Nur: Zwölf Tore in 45 Spielen ist weit weg von dem, was man erwarten konnte. Insgesamt eine enttäuschende Saison.

#52 Alexander Zille (34)

Im Team nennen sie ihn „Vati“ – inzwischen ist er auch fast der Älteste. In den Playoffs war Zille mit zwei Treffern der erfolgreichste Spieler des Teams, insgesamt kommt er auf 40 Partien und 23 Punkte. Gemessen daran, dass er der einzige Halbprofi im Team ist, der nebenbei noch als Altenpfleger arbeitet, eine gute Saison.

#55 Georg Albrecht (28)

Die tragische Figur der Bulls. Eine Verletzung jagte die andere. Viermal stand er auf dem Eis, machte drei Tore. Hätte ein Faktor werden können, sein Körper erlaubte es nicht. Hat seine Karriere inzwischen beendet.

#77 Tim May (27)

Er ist die Sturm-Analogie zu Michal Schön: ein stiller Typ aus der Kategorie Mannschaftsarbeiter. 47 Einsätze hatte Tim May, er brachte es auf 31 Punkte, wovon passenderweise 22 auf Torvorbereitungen entfielen.

#78 Maximilian Spöttel (22)

Bringt körperlich unglaublich gute Voraussetzungen mit, schwankte aber auch in seinen Leistungen wie kaum ein anderer im Team. Trotzdem: 44 Spiele, 34 Punkte – Spöttel war eine Verstärkung und ist ein Mann für die Zukunft.

#87 Thomas Zuravlev (25)

Kam als Verstärkung für die Playoffs von den Crocodiles aus Hamburg – und war auch eine Verstärkung. 13 Einsätze, sechs Punkte. Vom Talent her mehr als ein Spieler für die dritte Reihe, wo er meist spielte.

#92 Nathan Robinson (36)

Vom Talent her hat in Halle noch nie ein besserer Eishockey-Spieler die Schlittschuhe geschnürt. Robinson ist auf dem Eis eine Augenweide – auch wenn eine gewisse Eigensinnigkeit nicht zu leugnen ist. Seine 34 Punkte aus 29 Einsätzen lesen sich gut. Wahr ist aber auch: Durch seine Verletzung in der Meisterrunde war er in der entscheidenden Phase nicht fit und zum Saisonende eher eine Schwächung.

#97 Patrik Rypar (20)

Kam während der Saison, als die Personalnot durch Verletzungen am größten war. Machte genau das, wofür er geholt wurde: entlastete den Kader. Vier Punkte in 29 Spielen zeigen aber auch: Mehr als ein Ergänzungsspieler war er nicht.

Gesamtfazit Angriff:

Das große Sorgenkind. 144 Tore in 44 Spielen vor den Playoffs sind entschieden zu wenig. Von allen 16 Playoff-Teams aus Nord und Süd war das Platz 15. „Uns fehlt einfach ein Torjäger“, sagte Trainer Dave Rich oft. Richtig ist: Es fehlen eher zwei bis drei echte Goalgetter.

(mz, 20.03.2018)

 


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