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mz-web.de: Keeper Kevin Beech – Ein Standup-Comedian im Tor der Saale Bulls

 

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – Kevin Beech kennt die Statistiken nicht. Behauptet er. „Ich bin da abergläubisch“, erzählt der Eishockey-Torhüter der Saale Bulls. „Kürzlich wurden meine Werte mal auf dem Videowürfel eingeblendet, da habe ich sofort weggeschaut.“

Dabei weist der Blick auf diese Statistiken nur Gutes aus. Der 31-Jährige ist aktuell der beste Torhüter der Oberliga Nord. Eigentlich mächtig Rückenwind, wenn der Keeper am Freitag mit den Bulls auf den Erzrivalen Icefighters Leipzig trifft. Es ist das Duell des Tabellensiebten gegen den Zweiten. Von der Papierform her sind die Gastgeber Außenseiter. Die Messestädter stellen mit 108 Toren die beste Offensive der Liga. Gut möglich also, dass Erfolg oder Misserfolg der Hallenser auch am Torhüter liegen.

Kevin Beech sucht auch Abseits des Eishockeys die Bühne

Torhüter-Statistik der Eishockey-Oberliga Nord

Zentraler Wert bei der Statistik-Analyse von Eishockey-Torhütern ist die Prozentangabe der gehaltenen Schüsse. Hier der Überblick:

  1. Kevin Beech (MEC) 94,2
    2. Benedict Roßberg (LEI) 93,2
    3. Christoph Mathis (DUI) 91,6
    3. Ian Meierdres (TIL) 91,6
    5. Sebastian Staudt (ESS) 91,5
    6. Patrick Golombek (IND) 91,5
    7. Björn Linda (SCO) 90,7

    11. Patrik Cerveny (MEC) 89,2
    12. Sebastian Albrecht (HIN) 89,0

Genau das liebt und hasst Kevin Beech gleichermaßen an seinem Job. Die guten Statistiken? Egal, sagt er, ein schlechtes Spiel und die Werte interessierten niemanden mehr. Doch gleichzeitig liebt er das Wissen, dass ein Torhüter, er ganz allein, eben auch den Unterschied ausmachen kann zwischen Sieg und Niederlage. „Torhüter zu sein, ist ein mentales Ding“, sagt Beech.

Umso wichtiger ist es für den Deutsch-Kanadier, dessen Großvater einst aus Coburg auswanderte, den Kopf freizubekommen. Und dafür hat Kevin Beech ein mehr als ungewöhnliches Hobby. „In meiner Freizeit“, erzählt er, „trete ich als Standup-Comedian auf.“ Zuletzt stand er am Montag auf der Bühne, im Cosmic Comedy, einem bekannten englischsprachigen Club in Berlin. „Dort gibt es offene Veranstaltungen, für die sich jeder anmelden kann.“ Ein- bis zweimal im Monat versucht er, auf der Bühne zu stehen.

Kevin Beech: Comedy-Auftritte sind für den Kopf wichtig

Eishockey-Torhüter und Komödiant – es sind zwei Seiten an Kevin Beech, die sich scheinbar widersprechen. Doch tatsächlich gibt es Parallelen. Beides sieht oft so einfach aus, wie simples Rumstehen. Doch in Wahrheit will es gelernt sein. Im Eishockey gilt die alte Faustregel, dass Torhüter läuferisch die beste Ausbildung benötigen, weil sie brutale Geschwindigkeit und Flexibilität, ein messerscharfes Timing brauchen. Alles Eigenschaften, die es auch auf der Bühne braucht. Gibt es etwas Schwierigeres, als Menschen zum Lachen zu bringen?

Für den Kopf, sagt Kevin Beech, seien die Auftritte im Show-Business extrem gut. Auf andere Gedanken kommen neben dem Sport. Zumal er im Beruf überhaupt nicht zum Klassenclown taugt. „Die wenigsten, die mich in der Kabine erleben, würden glauben, dass ich Standup-Comedy mache“, sagt er. „In der Kabine bin ich eher still.“

Bei den Themen, die er auf der Bühne wählt, ist Kevin Beech offen. „Ich mache grundsätzlich nichts Politisches“, sagt er. Aber ansonsten? Die Familie ist eine gute Quelle. Das Leben im Allgemeinen. Immerhin ist er ja schon viel herumgekommen.

Saale-Bulls-Keeper Beech: Barbecue bei den Gretzkys

Beech stammt aus Brantford in der Nähe von Toronto. Eishockey-Fans ist die Stadt vor allem deshalb bekannt, weil ihr größter Sohn niemand anderes ist als Wayne Gretzky, der größte Eishockey-Spieler aller Zeiten. „Sein Vater Walter“, erzählt Kevin Beech, „war in der Jugend mein Trainer.“ Und mit den Gretzkys ist auch eine seiner einprägsamsten Geschichten als Kind verbunden. Geschehen im Februar 1996.

„Wir waren neun Jahre alt und unser Team ist nach LA gefahren. Wir sollten dort ein paar Spiele machen – und es sollte auch einen Grillabend bei Wayne Gretzky zu Hause geben. Doch zwei Tage vorher ist er von LA nach St. Louis verkauft worden.“ Das Barbecue gab es trotzdem, aber nicht das Treffen mit dem Idol.

Neun Jahre später schien es, als würde auch seine eigene Karriere Fahrt in Richtung Profiliga NHL aufnehmen. Beech wurde gedraftet von den Tampa Bay Lightning – zu einem Vertrag aber kam es nicht. Also heuerte er in unteren Ligen an – und es begann eine Odyssee, die so nur der US-Sport kennt. „Ich habe fünf Jahre als Profi gespielt, aber es gab nur eine Saison, in der ich zum Saisonende noch beim selben Verein war wie zu Beginn. Ich wurde permanent von Stadt zu Stadt transferiert.“ 2011/12 spielte er in vier Städten, verbunden mit Umzügen über 4.600 Kilometer.

Kevin Beech ist schon weit rumgekommen

Es folgten zwei Jahre in Paris, ehe er nach Deutschland, nach Ravensburg wechselte. Seine ersten Spiele machte Beech aber in Sonthofen – unter Trainer Dave Rich. Es folgten Stationen in Timmendorfer Strand und Leipzig, ehe er in Halle landete.

Mit den Bulls trifft er am Freitag erstmals auf den Ex-Klub. Und Beech weiß, was ihn erwartet. „Ich habe die Derbys ja im vergangenen Jahr mit Leipzig bestritten. Es ist eine tolle Atmosphäre. Aber ich habe auch gelernt: Du kannst jedes Spiel verlieren, aber nicht dieses.“ (mz, 21.12.2017)


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