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mz-web.de: Philipp Gunkel – Die nur gefühlte Krise des MEC-Topstürmers

 

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – Es gibt eine Lücke im Lebenslauf von Philipp Gunkel. Eine mehr als überraschende sogar. Der Eishockey-Profi der Saale Bulls war in seinem Leben nämlich tatsächlich noch nie in Nordamerika. Im Kernland seiner Sportart.

„Es hat sich irgendwie nie ergeben“, sagt er schmunzelnd. Was natürlich nicht heißt, dass er aus der Ferne nicht intensiv verfolgt, was sich in den USA und in Kanada im Eishockey tut. Per Live-Stream schaut er sich an Wochenenden gern Spiele der Profi-Liga NHL an. „Ich liebe das nordamerikanische Eishockey“, sagt er.

Philipp Gunkel spielt im dritten Jahr für die Saale Bulls in der Oberliga. In den vergangenen beiden Jahren war er unumstritten die Königsfigur in den Angriffsformationen der Hallenser. In diesem Jahr aber hakt der Motor etwas.

Zwölf Tore in 23 Spielen, 28 Scorerpunkte. Das Wort der Formkrise machte schon die Runde. Auch wenn Gunkel selbst diese Einschätzung nicht teilen mag: „Es ist doch klar, dass du als Stürmer an den Zahlen gemessen wirst. Letzte Saison habe ich fast 40 Tore geschossen, in diesem Jahr werde ich den Wert nicht mehr erreichen, da muss man sich nichts vormachen. Trotzdem werte ich es für mich selbst nicht als Formkrise.“

Denn diese Interpretation wäre in der Tat unfair. Gunkel ist noch immer der zweitbeste Scorer der Mannschaft, ist zudem der beste Torvorbereiter. Dass es seinem Spiel vielleicht am Glanz der vergangenen Spielzeiten fehlt, erklärt sich vielmehr aus einer Summe vieler Einzelfaktoren. Und hat zum Beispiel auch etwas mit besagtem Thema nordamerikanisches Eishockey zu tun.

Da ist das Spielsystem der Saale Bulls. Unter Ex-Trainer Ken Latta wurde nordamerikanisch gespielt: körperlich, mit direktem Zug zum Tor. Vier Kanadier oder Deutsch-Kanadier gehörten zum Team, darunter Matt Abercrombie, mit dem Gunkel zwei Saisons lang immer zusammen auf dem Eis stand und ein herausragendes Duo bildete.

Unter Georgi Kimstatsch haben nun deutlich mehr osteuropäische Einflüsse Einzug gehalten, mit mehr spielerischen Akzenten. Hinzu kommt: Die Zusammensetzungen der Reihen wechselten während der Saison häufig.

Für Philipp Gunkel bedeutete das: Er musste immer wieder verschiedene Rollen ausfüllen. „Ich habe mal außen, mal als Mittelstürmer gespielt. Da brauchst du einfach zwei, drei Spiele, um dich richtig reinzufinden“, sagt er.

Bleibt ein dritter Punkt: das Studium. Gunkel hat seinen Master begonnen, betreibt sein Fernstudium der Erziehungswissenschaft inzwischen in Vollzeit. Die Tage sind durchgetaktet. Mal Abschalten, auf andere Gedanken zu kommen, ist schwieriger geworden. Unter der Woche steht neben den Trainings jeden Abend Arbeiten für das Studium auf dem Programm, an Wochenenden folgen zwei Spiele.

„Es ist nicht so, dass ich körperlich nicht fit wäre“, sagt Gunkel, „ich habe wegen des Studiums auch noch kein Training in dieser Saison verpasst. Aber mental ist das manchmal schon schwierig. Es kann schon sein, dass das ein paar Prozent ausmacht.“

Saale Bulls spielen noch vier Mal im Jahr 2016

Für die Saale Bulls gibt es in der Eishockey-Oberliga keine Weihnachtspause. Im Gegenteil, die Hauptrunde geht in ihre Endphase. Und das mit einem extrem schweren Programm.

An diesem Freitag reisen die Bullen zum Herner EV, der mit zwölf Punkten Vorsprung unangefochtener Tabellenführer ist. Die Ruhrgebietler haben eine fast makellose Heimweste, gaben nur bei einer Niederlage nach Verlängerung Mitte Oktober gegen die Harzer Falken zwei Punkte ab.

Das Heimspiel der Saale Bulls findet erst am Montag, am zweiten Weihnachtsfeiertag statt. Es geht gegen die Hannover Scorpions. Die Statistiken gegen den Gegner lesen sich gut: elf Spiele, sieben Siege – wobei die vier Niederlagen zum Teil aus Zeiten stammen, als die Scorpione noch in der DEL spielten.
Schlechtes Omen: Die Saale Bulls haben noch nie an einem zweiten Weihnachtstag drei Punkte geholt. Von vier Partien gingen drei verloren, einzig 2007 gelang im Penaltyschießen ein Erfolg – gegen Hannover, die Indians. 

Trotzdem: Von einer Formkrise zu sprechen, ist überzogen. Und Gunkel will seine Leistung auch nicht allein an Zahlen gemessen wissen. „Am Ende ist es doch nicht wichtig, was bei mir steht, sondern was bei der Mannschaft steht. Wir sind Fünfter, haben nur einen Punkt weniger als der Zweite.“

Es ist in der Tat eine Wahrnehmungssache: Die Saale Bulls haben nach 24 Spielen eine starke Bilanz vorzuweisen. Allein: Die guten Zahlen spiegeln sich nicht immer in guten Leistungen wider. Und Philipp Gunkel steht da geradezu beispielhaft für die ganze Mannschaft. Gute Statistiken, aber wenig Glanz. „Wir sind keine Mannschaft, die zehn Tore pro Spiel schießt“, sagt er. „Aber wir haben auf der anderen Seite eben auch eine der besten Defensiven der Liga. Und wenn ich die Wahl habe, ob wir 3:1 gewinnen oder 10:8 – dann würde ich immer das 3:1 nehmen.“ Weil ein solches Ergebnis für ein stabiles Spielsystem spreche.

In den Playoffs, so ist Gunkel überzeugt, könnte dieses Vertrauen in das Spielsystem noch eine große Rolle spielen. Denn das große Ziel ist ja unverändert: Die Saale Bulls wollen lange im Aufstiegsrennen dabei sein. Auch wenn das für Philipp Gunkel eine lange Saison bedeuten würde, bis weit ins Frühjahr hinein. Und damit auch eine kürzere Pause im Sommer. Was natürlich auch einen Nachteil hätte.

Denn Gunkel hat den Plan. Er will seinen letztjährigen Teamkollegen und guten Kumpel Chris Gard in Kanada besuchen. Der hat seine Karriere inzwischen beendet, studiert in der Heimat. Ein perfekter Anlaufpunkt also für Philipp Gunkel, diese eine Lücke im Lebenslauf zu schließen. (mz, 22.12.2016)


    Dezember 2017
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