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mz-web.de Spieler kommen zurück nach Hause

Von Christian Elsaesser
Fast ein Drittel der Saale-Bulls-Spieler hatte den Verein schon einmal verlassen, kehrte nun aber wenig später zurück. Dies ist sehr ungewöhnlich für ein Profi-Team. Zu den Rückkehrern gehören Eric Wunderlich , Kai Schmitz, Sebastian Lehmann, Alexander Zille und Matthias Schubert.
Halle (Saale)/MZ. 

Vereine in nordamerikanisch geprägten Sportarten haben in Europa häufig ein Problem: den Wiedererkennungswert ihrer Teams. Spieler kommen und gehen, die Mannschaften verändern permanent ihr Gesicht, wirkliche Identifikation von Spielern mit ihrem Arbeitgeber gibt es eigentlich nicht.

Auch im Profi-Eishockey kennt man derlei Probleme. Und umso überraschender ist es, dass Halles Oberliga-Team, die Saale Bulls, seit einiger Zeit einen völlig gegenteiligen Trend erlebt. Im aktuellen Kader stehen nämlich fünf Spieler, die den Verein eigentlich schon einmal verlassen hatten und wenig später doch wieder zurückkehrten: die Verteidiger Eric Wunderlich und Kai Schmitz, dazu die Stürmer Sebastian Lehmann, Matthias Schubert und Alexander Zille. Die Gründe der fünf sind dabei durchaus unterschiedlich, es gibt sportliche, private, aber auch wirtschaftliche Aspekte.

Zille kam zwei Mal zurück

Matthias Schubert verließ Halle 2008 in Richtung Chemnitz. Aus sportlichen Gründen, „weil ich in Halle nicht mehr so viel gespielt hatte“. Aber auch wegen seiner Ausbildung: „In Chemnitz war ich ja nur in der Regionalliga.“ Das sorgte für kürzere Wege zu den Spielen als in der damals noch eingleisigen Oberliga, in der die Saale Bulls spielten. „Somit war das alles leichter unter einen Hut zu bringen mit dem Studium.“

Ein Jahr später kehrte Schubert trotzdem zurück, „weil ich meine Freunde und meine Freundin in Halle habe“. Und inzwischen hat er sich das perfekte Umfeld gebaut: „Ich arbeite bei den Stadtwerken, die mir viel Freiraum geben für den Sport. So kann ich Arbeit und Sport auf einem hohen Level verbinden“, sagt er.

Gehälter kommen pünktlich

Dieser existenzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Denn der überwiegende Teil der Spieler sind Vollprofis. Auch Eric Wunderlich, der 2009 ein Jahr in seine Heimat Crimmitschau zurückgekehrt war, stellt das klar. Seine Rückkehr habe sportliche Gründe gehabt, weil der Verein das klare Ziel hat, mittelfristig in der zweiten Liga zu spielen. Doch genauso wichtig war ihm das: „Ich weiß, dass in Halle immer pünktlich bezahlt wird.“

Vereinspräsident Daniel Mischner hört solche Sätze gern. Denn zu Beginn seiner Amtszeit gab es noch einige Probleme. „Ich hatte damals einige Situationen, in denen ich Spielern erklären musste, dass wir ihr Gehalt erst verspätet zahlen. Wenn das dann kurz vor Weihnachten passiert, ist das wirklich eine bedrückende Situation.“ Im Verein habe deshalb ein Lernprozess stattgefunden: „Unsere Prämisse ist: Wirtschaftliches Denken steht vor sportlichem.“

Auf Dauer sorgt eine solche Vereinspolitik für Vertrauen. Und so war für Stürmer Alexander Zille auch das ein Grund, sogar zweimal in den Schoß der Saale Bulls zurückzukehren. 2005 war er nach Dresden und 2008 nach Chemnitz gewechselt, beide Male kam er nach nur einer Saison wieder an die Saale. „In Dresden hatte es beispielsweise damals einfach nicht gepasst. Und in Halle wusste ich, was ich habe“, sagt Zille. „Ich hatte immer einen sehr guten Draht zur Vereinsführung und zu den Fans.“

Dieser Wohlfühlfaktor ist es, auf den die Saale Bulls heute ganz wesentlich vertrauen können. Auch für Kai Schmitz, den Kapitän der Mannschaft, war das ein wesentlicher Aspekt. 2010 verließ er Halle – und kam zwei Jahre später wieder. „Für mich gab es vor allem einen Grund: meine Freunde. Mein bester Kumpel lebt in Halle.“ Und wer weiß, dass Schmitz Kölner von ganzem Herzen ist, sich sogar den Namen seiner Heimatstadt hat tätowieren lassen, der mag erahnen, was der folgende Satz bedeutet: „Ich gehe aus Halle nur weg, wenn es hier mal kein Eishockey mehr geben sollte.“

„Nie im Bösen getrennt“

Daniel Mischner fasst solche Aussagen auch als Bestätigung für sich auf. „Für alle fünf Spieler galt damals, als sie uns verlassen haben, dass wir uns nicht im Bösen getrennt haben. Jeder hatte ja auch andere Gründe, damals zu gehen. Der eine hatte vielleicht ein besseres Angebot, der andere wollte einfach näher bei seiner Familie sein. Aber sportlich waren wir mit allen ja absolut zufrieden.“

Und so griff Mischner zu, als die Chance kam, die verlorenen Söhne zurückzuholen. Er weiß, Spieler, die dem Verein lange die Treue halten, steigern den Wiedererkennungswert und die Identifikation der Fans und auch Sponsoren. „Auch wenn es etwas pathetisch klingt: Aber ich freue mich immer darüber, freitags in die Halle zu kommen und viele vertraute Gesichter zu sehen.“ Nicht jeder Verein kann das von sich behaupten.

Das Spiel gegen Tornado Niesky beginnt am Freitag um 20 Uhr im Eiszelt.


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