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mz-web.de: Stürmer Nathan Burns – Verpflichtung auf Umwegen

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – Es sind manchmal die total unerwarteten Dinge, die ein ganzes Leben verändern können. Für Nathan Burns kam die Post aus Deutschland im vergangenen Jahr jedenfalls völlig überraschend. Der Brief erreichte ihn in seiner Heimat im kanadischen Edmonton. Im Grunde hatte er ja zwei Jahre darauf gewartet. Doch dass er dann auf einmal im Briefkasten lag? Einfach so? „Es war kein großes Anschreiben dabei. Da war einfach nur mein deutscher Pass drin“, erinnert sich der 24-Jährige.

Dieser Brief, so viel ist unstrittig, hat sein Leben in eine neue Bahn gelenkt. „Ohne meinen deutschen Pass wäre ich mit Sicherheit heute nicht hier in Halle“, sagt der Eishockey-Profi, der einer von vier kanadischen Neuzugängen bei den Saale Bulls ist.

Dass Burns die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen konnte, ist leicht erklärt. Seine Großeltern wanderten einst aus Lohne in Niedersachsen nach Kanada aus. Gemeinsam mit seinem Vater kam er deshalb vor zwei Jahren auf die Idee, den Pass zu beantragen, um so die Chancen auf ein Eishockey-Engagement in Deutschland zu vergrößern.

Großeltern aus Deutschland

Der Plan ist aufgegangen. Und richtig begeistert davon sind Nathan Burns’ Großeltern. „Meine Oma und mein Opa“ – Burns benutzt übrigens auch im Englischen diese Wörter – „haben gleich angefangen, mir Deutsch beizubringen. Hallo, Danke, Bitte – solche Alltagssachen“, erzählt er. „Sie wollen mich auch gern in Halle besuchen kommen, aber sie sind über 80. Ob es klappt, weiß ich noch nicht.“ Dafür hat sich so ziemlich jedes weitere Familienmitglied angekündigt. Seine Mutter, die eben deutsche Wurzeln hat, seine beiden Brüder.

Kuriose Kontaktaufnahme

Nathan Burns’ Weg nach Halle führte allerdings trotz deutschem Pass über einige Ecken. Zwei Saisons lang hatte er kein Eishockey mehr gespielt, war wieder an die Schule zurückgekehrt, um seinen Abschluss nachzuholen. Einen Berater hatte er also nicht. Und deshalb kam das Angebot der Saale Bulls auf reichlich kuriosem Umweg. Bulls-Coach Dave Rich hatte Kontakt mit einem Trainerkollegen in Kanada. Der trainierte einen der besten Freunde von Nathan Burns. Dieser Kumpel wiederum wusste von Burns’ deutscher Staatsbürgerschaft. Und schon ging alles seinen Gang.

Fast jedenfalls. Denn ohne den Zuspruch seiner Mutter hätte Nathan Burns den Schritt nach Europa nicht getan. Im August war sein Vater mit 59 Jahren gestorben. „Sein Tod hat irgendwie alles verändert“, sagt Burns ganz offen. Deshalb wollte er zurück aufs Eis. Aber nicht ohne den Segen der Mutter für den Wechsel nach Europa. „Ihr geht es gut. Sie hat gesagt, dass sie mich bei meinem Weg unterstützt.“

So ist Burns nach Halle gekommen. Und fühlt sich pudelwohl, weil er viel Hilfe beim Eingewöhnen erhält. Im griechischen Restaurant in der Sternstraße wird er schon mit Namen begrüßt. „Ich hatte am Anfang noch keinen Internetzugang, sie haben mir immer erlaubt, ihren mit zu benutzen.“ Auch die Mitspieler sind Ansprechpartner. „Philipp Gunkel wohnt ein Stockwerk über mir und hilft mir viel.“ Und Kai Schmitz nimmt seine Kapitänsrolle bei der Integrationshilfe der Kanadier ohnehin extrem ernst. „Die drei sind die nettesten Ausländer, die ich je in einem Team erlebt habe“, sagt Schmitz über Burns, Steven Tarasuk und Bryan Cameron, die – anders als Torwart Kevin Beech – bisher keine Deutschland-Erfahrung hatten. „Gerade Nathan ist ein Typ, der einfach immer lacht.“

Feuerwehr muss helfen

Was auch in vermeintlich heiklen Momenten hilft. Denn vergangene Woche erlebten Burns und Schmitz gemeinsam mit ihren Teamkollegen Jannik Striepeke und Maximilian Schaludek einen alles andere als erfreulichen Moment. Nach dem gemeinsamen Champions-League-Gucken blieb das Quartett im Fahrstuhl stecken. Die Feuerwehr musste anrücken. Und während der Wartezeit? Herrschte brillante Stimmung bei den Vieren, wie ein kleines Handyvideo (zu sehen auf der Saale Bulls – Facebookseite) belegt.

Nathan Burns kann lachen über den Vorfall. Kann ja nicht jeder von sich behaupten, ein paar Tage im Ausland zu leben und schon einen Feuerwehreinsatz ausgelöst zu haben. Die unerwarteten Dinge müssen nicht immer ein Leben verändern. Aber sie liefern mitunter Geschichten, die man ein Leben lang erzählt. (mz, 21.09.2017)

 

Saale Bulls im Dialog mit den Fans

Die Saale Bulls setzen auch in der neuen Saison die Tradition der Fan-Gespräche fort. In der VIP-Lounge im Eisdom werden sich Vertreter des Vorstands, Trainer Dave Rich und Kapitän Kai Schmitz zum Ende der Testspiel-Serie den Fragen der Anhänger stellen.

Das erste Fanforum findet am Dienstag, 26. September, statt und beginnt um 19 Uhr. Zuvor treten die Bulls am kommenden Freitag, 20 Uhr, bei den Hannover Scorpions an und empfangen die Niedersachsen am Sonntag, 18.15 Uhr.


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