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mz-web.de: Sturm-Talent der Saale Bulls Wie Maximilian Spöttel mit dem Tod seines Vaters umgeht

 

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – Luftlinie liegen gut 250 Kilometer zwischen Halle und Bad Nauheim. Rein sportlich betrachtet aber sind sich die beiden Eishockey-Vereine zurzeit doch extrem nah.

Jedenfalls genießen die Saale Bulls in der Oberliga Nord aktuell reichlich Einfluss vom hessischen Zweitligisten: Verteidiger Jan-Niklas Pietsch und die drei Stürmer Jannik Striepeke, Tim May und Maximilian Spöttel – sie alle haben ihre Ausbildung unter anderem in Bad Nauheim erhalten.

Maximilian Spöttel ist der jüngste aus diesem Quartett. Wobei seine Verbindung zur hessischen Kleinstadt noch einmal eine ganz spezielle ist. Er stammt als einziger auch gebürtig aus Bad Nauheim und spielte in der Jugend auch nur für den dort ansässigen Verein.

Saale Bulls: Maximilian Spöttel gilt als großes Talent

Das kommt freilich nicht von ungefähr. Die Familie Spöttel ist tief verwurzelt in der gut 30.000 Einwohner großen Kurstadt. Wer den Namen Spöttel einmal in Verbindung mit Bad Nauheim googelt, erhält eine Fülle von Treffern. Wenn auch mit vier grundverschiedenen Aspekten.

Der erste und umfangreichste: das Hotel Spöttel. „Das gehörte tatsächlich meinen Großeltern“, erzählt Maximilian Spöttel. „Sie haben das Hotel allerdings irgendwann aus Altersgründen verkauft, weil es niemand aus der Familie weiterführen wollte.“

Ein zweiter Aspekt ist Michael Spöttel. Als der Hallenser Waldemar Cierpinski in den 70er Jahren die weltweite Marathon-Szene aufmischte, war Michael Spöttel der beste westdeutsche Langstreckler. 1979 wurde er Marathon-Meister der Bundesrepublik. „Er ist ein Cousin meines Vaters“, erzählt Maximilian Spöttel.

Maximilian Spöttel: Über den Vater zum Eishockey gekommen

Irgendwann freilich trifft man bei der Internetsuche auch auf Maximilian Spöttel und seine Eishockey-Karriere. Die begann im frühen Kindesalter. „Ich bin durch meinen Vater zum Eishockey gekommen“, erzählt er. „Er wollte als Kind auch immer spielen, durfte es aber von seinen Eltern aus nicht, weil sie es für zu gefährlich hielten.“ 

Umso mehr förderte er seinen Sohn. Maximilian Spöttel durchlief alle Nachwuchsklassen in Bad Nauheim, schaffte 2013 mit 18 Jahren den Sprung in den Profikader in der zweiten Liga. Immerhin 80 Spiele absolvierte er in der DEL 2, ehe er sich 2016 entschloss, den Verein zu verlassen.

Und auch das hatte viel mit seinem Vater zu tun. Es ist der vierte, der traurige Aspekt, den die Internet-Recherche über die Familie Spöttel hervorbringt.

Saale Bulls: Vater von Maximilian Spöttel stirbt im Irak

Maximilians Vater Stephan war Oberst im Generalstab und zuletzt Kommandant der Bundeswehr-Truppen, die im Irak im Kampf gegen den IS-Terror kurdische Peschmerga-Kämpfer ausbilden. Im September 2015 wurde Stephan Spöttel tot in seinem Hotelzimmer in Erbil gefunden, die Bundeswehr gab eine natürliche Todesursache an.

Für Maximilian Spöttel, seine Mutter und die beiden älteren Schwestern ein einschneidendes Erlebnis. Doch wer mit Maximilian darüber spricht, erlebt einen überaus beeindruckenden Umgang mit dem Tod seines Vaters. Der 22-Jährige spricht offen darüber. Immer ruhig und besonnen. Vor allem aber: in sehr liebevoller Erinnerung.

„Ich war immer ein totales Papakind“, erzählt er. „Wir haben extrem viel zusammen unternommen, haben zum Beispiel richtige Männerurlaube gemacht.“ Im Winter in Bayern, im Sommer auf Fehmarn, wo die Familie zwei Boote hat. Vater und Sohn teilen die großen Hobbys: Angeln. Und Eishockey. „Mein Vater war ein großer Fan. Er wäre auch zum Eishockey gegangen, wenn ich nicht im Verein gespielt hätte.“

Wie Maximilian Spöttel mit dem Tod seines Vaters umgeht

Die Erzählungen lassen erahnen, was der Verlust des Vaters bedeutete und immer noch bedeutet. „Bei der Trauerfeier waren 500 Menschen da, die Kirche war voll“, erzählt Maximilian Spöttel. Das zeigte die immense Wertschätzung. Nur: Eine so große Öffentlichkeit macht es nicht unbedingt leichter, seinen eigenen Weg der Trauer zu finden. „Viele Menschen in Bad Nauheim kannten ihn.“ Auch deshalb wechselte Maximilian Spöttel.

Ein neuer Abschnitt. Menschlich, aber auch sportlich. Denn in der zweiten Liga, auch das wusste er, wäre es für ihn als junger Spieler kaum möglich gewesen, über die Rolle als Stürmer in der vierten Reihe hinauszukommen. Spöttel ging nach Essen, wo er sein Glück aber nicht fand. Nach nur drei Einsätzen zog er weiter nach Timmendorfer Strand.

„Ich hatte vorher mit Timmy telefoniert“, erzählt er. Gemeint ist Tim May, mit dem er schon in Bad Nauheim in einer Reihe gespielt hatte und den es im gleichen Jahr an die Ostsee gezogen hatte. „Er hat mir erzählt, dass Timmendorf sportlich sicher nicht die allererste Adresse ist, dass es aber seinen Reiz hat. Außerdem ist Fehmarn in der Nähe, wo wir als Familie immer im Urlaub waren und wo mein Vater seebestattet worden ist. Also habe ich mich entschieden, es zu machen.“

Saale Bulls: Was Trainer Dave Rich über sein Top-Talent sagt

Der Wechsel passte. Persönlich. Aber auch sportlich. In Timmendorf spielte Spöttel erneut neben Tim May und erlebte eine gute Oberliga-Saison: 37 Spiele, 41 Punkte, darunter auch zwei Torvorlagen in Spielen gegen die Saale Bulls. Statistisch war er damit bester Timmendorfer Spieler. Auch, weil er einen Trainer kennenlernte, der ihm Verantwortung übertrug: Dave Rich. Und als der im Sommer 2017 bei den Saale Bulls unterschrieb, war es eine seiner ersten Amtshandlungen, Tim May und Maximilian Spöttel gleich mitzunehmen.

Rich schenkt Spöttel auch in Halle Vertrauen. Der 22-Jährige erhält viel Eiszeit, darf zum Beispiel auch in Überzahl ran. Gerade in der Saisonvorbereitung glänzte Spöttel in einer Reihe mit May und Striepeke. Doch in 14 Saisonspielen bisher kamen nur neun Punkte zusammen. Spöttel selbst findet das nur durchschnittlich: „Damit bin ich nicht zufrieden, ich weiß, dass ich viel mehr kann.“

Auch wenn er sportlich Luft nach oben sieht. Im Team und im Verein fühlt er sich extrem wohl. „Es wird sich wirklich um die Spieler gekümmert“, sagt er. „Im Vorfeld der Saison haben wir als Mannschaft unglaublich viel zusammen gemacht. Die Betreuung durch Ärzte und Physiotherapie ist super. Das ist wirklich sehr professionell.“

Beste Voraussetzungen also, um sich sportlich zu entwickeln. Denn, daraus macht Trainer Rich keinen Hehl, das wird nötig sein: Er hält Spöttel für einen Diamanten, der noch Feinschliff braucht: „Er hat ganz viel Potenzial, aber manchmal kommt in ihm auch noch ein bisschen das Kind durch.“ Zum Beispiel, wenn Spöttel wie gegen Braunlage gleich drei Strafzeiten zieht. „Er ist in einer Lernphase als Eishockey-Spieler“, sagt Rich und ist überzeugt: „Max hat das Zeug ein großer Oberliga-Spieler zu werden.“ (mz, 01.12.2017)


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