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mz-web.de: Torlos-Wochenende – Powerplay der Saale Bulls ohne Power

 

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – Es war schnell leer geworden im Vip-Raum der Saale Bulls. Am Sonntagabend, eine halbe Stunde nach Spielende, hatte sich der Saal oberhalb der Haupttribüne weitgehend geleert. Selbst die Ecke, in der sich für gewöhnlich die Profis des Eishockey-Oberligisten nach den Spielen noch zum Essen niederlassen, war verwaist.

Das alles kommt an einem Sonntagabend keinem Wunder gleich. Und doch war die Leere ein Stück weit Abbild der Stimmung dieses Spielwochenendes. War es doch eines von geradezu vereinshistorischem Ausmaß. 0:4 am Freitag in Duisburg, 0:1 nach Verlängerung daheim gegen die Hannover Indians am Sonntag.

Der Blick in die Datenbank von Statistiker Mario Schoppa verriet Schlimmes: Zum ersten Mal blieb ein Saale-Bulls-Team in zwei Pflichtspielen in Folge ohne Torerfolg. Einzig in der Saisonvorbereitung 2015 hatte es das schon einmal gegeben.

Saale Bulls: Zwölf Drittel, nur drei Tore

Der Frust war entsprechend groß. „Wir haben jetzt in den letzten zwölf Dritteln nur drei Tore geschossen“, bilanziert Trainer Dave Rich. „Das ist einfach zu wenig.“ Und auch Stürmer Philipp Gunkel war nach der Pleite gegen Hannover spürbar um Fassung bemüht. „Es kann einfach nicht sein, dass du zu Hause kein Tor schießt“, klagte er. „Aber wenn ich jetzt etwas Konstruktives sagen muss, woran es liegt, dann fällt mir dazu nichts ein.“

Es wäre vermutlich auch vermessen, direkt nach einem Spiel eine solche Analyse zu erwarten. Denn wie immer in solchen Fällen sind es diverse Aspekte, die zusammenkommen.

Große Personalprobleme bei den Saale Bulls

Die Bulls hatten ja weiß Gott nicht schlecht gespielt. Zwar eher defensiv orientiert, was die Schussbilanz von 28:39 belegte. Aber Chancen waren da. Auch gute. Erst in der ersten Minute der Verlängerung wurden sie von Indians-Stürmer Andreas Morczinietz kalt erwischt.

Die Gründe für die Ladehemmung? Einer ist fraglos der von vielen Verletzungen heimgesuchte Kader. „Wir haben von 13 Spielen acht mit weniger als drei vollen Reihen bestritten“, bemerkte Coach Rich. Was zum einen zu Umstellungen führte – Gunkel, Maximilian Schaludek und Jannik Striepeke wechselten die Reihen. Und was zum anderen an die Substanz ging – auch fehlende Kraft mag ein Grund sein, warum es vor dem Tor nicht klappt.

Doch genau das führt zum vielleicht auffälligsten Problem der Saison: Den Bulls gelingen auch die vermeintlich leichten Tore nicht. Die in Überzahl nämlich. Sie liegen bei 13,3 Prozent Erfolgsquote im sogenannten Powerplay. Das ist der zweitschlechteste Wert der Oberliga. Aus 45 Überzahl-Spielen entsprangen nur sechs Tore, einmal kassierten sie sogar ein Gegentor mit einem Mann mehr auf dem Eis.

Fehlt den Saale Bulls die nötige Erfahrung?

Auch Dave Rich ist unzufrieden mit diesem Wert, hat aber auch einen Erklärungsansatz. „Wir haben viele junge Spieler, die in ihrer Karriere kaum einmal Überzahl gespielt haben.“ Zur Erklärung: Die meisten Trainer setzen auf eine ganz kleine Auswahl von Powerplay-Spielern. Nathan Robinson, Philipp Gunkel, Steven Tarasuk – die Älteren im Team bringen die Erfahrung mit. „Aber Jungs wie zum Beispiel Maximilian Spöttel oder Tim May haben erst vergangene Saison in Timmendorf zum ersten Mal überhaupt Überzahl gespielt“, sagt Rich.

Philipp Gunkel kann dem Erklärungsmodell etwas abgewinnen. „Erfahrung spielt sicherlich eine Rolle im Powerplay“, sagt der 29-Jährige. Allein, er will die Torflaute nicht darauf reduzieren. „Du musst auch in der Lage sein, Fünf gegen Fünf ein Tor zu erzielen.“

Fünf Minuten bis zum Rekord

Vor den Bulls liegen nur fast zwei Wochen Ruhe, weil während des Deutschland-Cups am kommenden Wochenende Spielpause in den Ligen herrscht. Zeit, ein wenig zu regenerieren. Und um Abläufe im Angriffsspiel wieder zu schleifen. Am 17. November kommt dann das Team aus Timmendorfer Strand in den Eisdom.

Das ist der Tabellenletzte und mit 80 Gegentoren aus 13 Spielen das wackligste Team in der Defensive. Vielleicht ein guter Gegner, um den Torriecher wiederzufinden und einen weiteren Vereinsrekord abzuwenden. 126:36 Minuten warten die Bulls inzwischen auf ein Tor. Auf die Sekunde genau fünf Minuten fehlen noch zum Vereins-Negativrekord.

Torlos-Premiere für die Saale Bulls

Auch für Dave Rich war es etwas selten Erlebtes. „Ein 0:0 habe ich in 13 Jahren erst zum zweiten Mal erlebt“, sagte der Trainer der Saale Bulls. Für seinen Verein hingegen war es sogar eine Premiere. Torlose 60 Minuten gab es in Halle zuletzt am 15. März 2003 gegen die Berlin Capitals. Damals gab es noch die Saaleteufel, den Vorgängerverein der Saale Bulls. Quelle: Mario Schoppa

(mz, 07.11.2017)


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