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mz-web.de: Vati feiert Jubiläum

Von GOTTFRIED SCHALOW
Alexander Zille läuft heute zum 500. Mal im Halle-Trikot auf. Der Stürmer ist ein ungewöhnlicher Eishockey-Spieler, der beruflich noch einmal umsattelt.
Halle (Saale)/MZ. 

Ohne dieses Ritual sind Eishockey-Spiele in Halle kaum vorstellbar. Freitagabend, kurz vor 20 Uhr: Die Saale Bulls stehen zum Einmarsch auf das Eis bereit. Einer nach dem anderen, zu fast jedem gibt es vom Hallensprecher noch einen markanten Spruch mit auf den Weg. Bei der Nummer 52 geht der so: Halle, Saale, Händelstadt, Alexander Zille, unser Vati. Ein feststehendes Ritual, im elften Jahr nun mittlerweile.

Der noch so jugendlich aussehende Vati Zille wird das heute Abend wieder hören und diesen Tag vermutlich nie vergessen. Es wird sein 500. Eishockey-Spiel im Halle-Trikot werden. Ein paar, genau 94, waren noch für die alten Saaleteufel dabei, den weitaus größten Teil aber hat er für die Saale Bulls gemacht. Einsamer Rekordspieler ist er damit (siehe Kasten „Die Rekordspieler“) und ein Ende ist lange nicht in Sicht, denn am 4. Dezember wird der gebürtige Sachse gerade mal 30 Jahre alt.

„Bis jetzt hatte ich ja wirklich Glück“

„So lange die Knochen halten, will ich auf dem Eis stehen“, sagt der Jubilar. Selbst die magische Zahl von tausend Spieler scheint für einen wie Zille nicht unerreichbar, bedenkt man, dass heute legendäre Saale-Bulls-Spieler wie Jedrzej Kasperczyk oder Martin Miklik noch jenseits der 40 dabei waren. „Warum nicht, wenn ich von schweren Verletzungen verschont bleibe? Bis jetzt hatte ich ja wirklich Glück. Nur einmal musste ich eine längere Pause einlegen, da hatte es mich an der Schulter erwischt.“

Sabine Riese  mit Alexander Zille

Sabine Riese bespricht mit Alexander Zille den Dienstplan des Pflegedienstes.  (BILD: Schulz)

Zille ist einer, der kein großes Spektakel um seine Person macht, noch nicht einmal wegen eines solch außergewöhnlichen Tages. Er kommt ruhig, eher unauffällig daher, dafür macht er präzise wie eine Schweizer Uhr seinen Dienst. Am liebsten immer nach einem exakt vorgeschriebenen, sich täglich wiederholenden Plan.

Nach zweitem Standbein gesucht

Ordnungsfanatiker würde man solche Typen auch nennen, Und passend dazu ist die Geschichte, wie er zu seinem Spitznamen Vati kam. „Das war irgendwann mal während meiner Armeezeit. Irgendwer hat mich mal so gerufen, weil ich immer so ordentlich meine Sachen übereinandergestapelt habe“, erinnert er sich.

Zille und Eishockey, das passt zusammen. Dort findet Vati sein ganz persönliches Glück. Aber er weiß auch, dass trotz aller scheinbaren Unbekümmertheit dieses Glück ein sehr flüchtiges sein kann. Zille ist da ganz Realist: „In unserem harten Sport kann natürlich von einem Tag auf den anderen alles ganz plötzlich vorbei sein. Eine schwere Verletzung, das kann es schon gewesen sein.“

Deshalb auch hat sich Zille nie allein auf den Sport verlassen, auch beruflich immer nach einem zweiten Standbein gesucht. Keineswegs nur der Ordnung halber, weil sich das halt so gehört. Als junger Mensch hat er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker abgeschlossen. Das war in Bayreuth, ganz zum Anfang seiner Eishockey-Karriere. In Halle hat er in den letzten vier Jahren Pakete ausgeliefert. Immer in Nachtschichten, auf einer Route, die er zum Schluss im Schlaf kannte, immer rund um den Flughafen Leipzig-Halle.

Jede Menge Spiele sollen folgen

Nun plant er noch einmal einen beruflichen Neustart. Als Altenpfleger. Beim Pflegedienst Biene in Kröllwitz hat er gerade ein zweiwöchiges Praktikum gemacht, zunächst mal nur als interessierter Beifahrer. „Er kann sofort richtig einsteigen“, sagt die Pflegedienst-Chefin Sabine Riese. Der gelehrige Schüler hat sie sofort überzeugt. „Ich wusste ja, wer da kommt. Wir kennen uns schon länger“, sagt Sabine Riese, die seit Jahren die Saale Bulls als Sponsor unterstützt.

Im Februar soll die Ausbildung richtig losgehen. Alexander Zille wird dazu noch einmal die Schulbank drücken, im praktischen Teil wird er bei Biene dann auch die ersten eigenverantwortlichen Sachen machen müssen, Patienten waschen, Medikamente ausgeben. „Den Dienstplan richten wir so ein, dass er drumherum alle Freiräume für Eishockey hat“, verspricht die Biene-Chefin. Und auch Zilles Freundin Jule ist begeistert, dass ihr Alexander einen ganz artverwandten Beruf erlernt. Jule ist Krankenschwester im Klinikum Kröllwitz.

Im Beruf wird Alexander Zille in absehbarer Zeit also Krankenpfleger sein. Auf dem Eis will er jedoch noch lange nicht zum alten Eisen gerechnet werden. Auf das 500. Spiel sollen noch jede Menge mehr folgen. Auf der nach oben offenen Rekordskala.


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