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mz-web.de: Eishockey-Oberliga – Warum Dave Rich an seinen Vorgänger erinnert

 

 

Von Christian Elsässer

Halle (Saale) – Da ist die Sache mit der Laterne. Dave Rich war ein wenig genervt von ihr. Das gute Stück stand direkt vor dem Schlafzimmerfenster seines Übergangs-Apartments in der Innenstadt. „In der Wohnung war aber nicht viel drin, es gab keine Vorhänge. Also war es ganz schön hell nachts“, erzählt er. „Da hieß es zu improvisieren.“

Inzwischen hat der neue Cheftrainer der Saale Bulls Räume nahe der Eishalle bezogen. Doch solche Übergangsprobleme waren ihm nicht fremd. Mit Umzügen und den daraus resultierenden Anfangsturbulenzen kannte sich der Kanadier schon vorher aus. Für Dave Rich ist Halle tatsächlich die 18. Stadt, in der er als Eishockey-Reisender in Deutschland arbeitet. Neun erlebte er als Spieler, nun sind es auch neun als Trainer. Von Timmendorfer Strand an der Ostseeküste, wo er zuletzt unter Vertrag stand, bis Füssen an der österreichischen Grenze war alles dabei.

Welche Orte Dave Rich in Deutschland als Heimat bezeichnet

Das klingt ein wenig nach einem Heimatlosen. Doch ganz so ist es dann doch nicht. „Es gibt schon zwei Orte, die ich als meine Heimat in Deutschland bezeichnen würde“, sagt Dave Rich.

Da ist zum einen Bad Wörishofen im Allgäu. Als er 1990 als 21-Jähriger nach Deutschland kam, war der Kurort seine erste Station als Profi. „Dort hat mich eine Familie aufgenommen, bei der ich gelebt habe.“ Nicht irgendeine Familie, die Schweinbergers kann man am besten als eine Art Eishockey-Dynastie in der Region bezeichnen. Sie halfen Dave Rich, sich in Deutschland heimisch zu fühlen. „Dank ihnen habe ich die Sprache gelernt.“ Die Kinder der Familie, damals im Teenager-Alter, bezeichnet Rich heute noch als seine „deutschen Geschwister“. „Wir haben immer noch ganz engen Kontakt.“

Seine zweite Heimat in Deutschland ist Düsseldorf. Dort leben seine Ex-Frau und seine 16-jährige Tochter Megan. „Wir haben ein großartiges Verhältnis“, erzählt Dave Rich. Die Rhein-Metropole ist immer wieder Anlaufpunkt für ihn, so auch in den Wochen, bevor es nach Halle ging.

Richs Ziel: Die Saale Bulls in ruhigeres Fahrwasser bringen

Seit knapp zwei Wochen ist Dave Rich nun an der Saale. Seine zwölf Umzugskisten sind vor einigen Tagen ebenfalls angekommen. Rich hat bei all den Umzügen gelernt, seinen Hausstand klein zu halten. Wobei es gut möglich ist, dass Halle ein wenig länger sein Zuhause bleibt.

Denn mit dem 48-jährigen Kanadier verbindet sich im Verein die Hoffnung, wieder in ruhigere Fahrwasser zu gelangen. Drei Trainer hatten die Saale Bulls in den letzten anderthalb Jahren. Und vielleicht weitaus problematischer: Mit jedem Trainerwechsel ging auch ein Philosophiewechsel einher.

Ken Latta installierte ein nordamerikanisch geprägtes Eishockey – verpflichtete das passende Personal aus Kanada. Georgi Kimstatsch wechselte auf einen osteuropäisch geprägten Stil – mit Spielern aus Tschechien und der Slowakei. Dave Rich hat nun den erneuten Wechsel eingeläutet. Vier Neulinge mit kanadischen Wurzeln haben die Saale Bulls zur neuen Saison verpflichtet.

Saale Bulls: Viel Rückendeckung für Trainer Dave Rich

Ein derartiges Hin und Her ist eigentlich nicht der Stil der Saale Bulls. Wer also vermutet, dass Rich mit viel Rückendeckung durch die Vereinsführung in sein Amt startet, dürfte richtig liegen. Die Transferpolitik spricht jedenfalls eine klare Sprache. Mit den beiden Kanadiern Steven Tarasuk und Bryan Cameron holten die Saale Bulls zwei gestandene Profis für die Ausländerstellen.

Für Dave Rich ergibt sich daraus allerdings eine Aufgabe, die er so in seiner Trainerlaufbahn noch nicht hatte. Einen Verein mit den Möglichkeiten der Saale Bulls trainierte der 48-Jährige bisher noch nie. „Jedenfalls nicht, was das Budget angeht“, bestätigt er. Offiziell geben die Saale Bulls keine Zahlen preis, der Etat soll aber nah an den siebenstelligen Bereich heranreichen. Was für Rich im Vergleich zu seinem vorherigen Arbeitgeber Timmendorfer Strand ein riesen Schritt nach vorn ist.

Dass solche Budgets in der extrem aufgerüsteten Oberliga Nord dennoch eher Mittelfeld darstellen, weiß aber auch der Coach. Seine persönliche Zielstellung klammert sich daher nicht allein an Tore, Punkte und Tabellenplätze. Dave Rich will etwas entwickeln. „Ich würde gerne sagen können, dass ich 80 Prozent aller Spieler behalte und aufbaue.“ Sprich: Eine Mannschaft zusammenstellt, die sich über mehrere Jahre als Einheit formt.

Wer solche Sätze hört, fühlt sich ein wenig an Ken Latta erinnert. Der kam 2014 mit gleichlautenden Zielen als Headcoach, stieß Entwicklungen an und brachte Kontinuität in den Kader.

Saale Bulls: Auftakt gegen Ex-Coach Ken Latta

Überhaupt gibt es frappierende Ähnlichkeiten zwischen Latta und Rich. Beide Kanadier verbrachten weite Teile ihres Eishockey-Lebens im Allgäu. Beide sprechen hervorragend Deutsch in einem Mix aus bayerischem und nordamerikanischem Dialekt. Beide lernten in Deutschland ihre Ehepartner kennen, wurden Vater. Und beide schätzen sich. „Wir haben in den ersten Jahren sogar noch gegeneinander gespielt“, erzählt Rich.

Am Wochenende präsentieren sich die Saale Bulls auf dem Laternenfest. Danach startet die Saisonvorbereitung mit sechs Testspielen, ehe am 29. September die Saison mit einem Heimspiel beginnt. Es ist ein Zufall, aber man mag es als Omen werten: Los geht’s gegen die Rostock Piranhas – mit Trainer Ken Latta. (mz, 24.08.2017)

Saale Bulls: Die wichtigsten Termine der Vorbereitung

Die Saale Bulls präsentieren am Samstag um 15 Uhr auf der Peißnitzbühne ihr neues Team. Zweiter wichtiger Termin für die Fans ist das öffentliche Training der Mannschaft von Trainer Dave Rich: Samstag, 2. September, 17.15 Uhr im Eisdom.

Knapp eine Woche später starten die Saale Bulls in ihre Testspielserie. Neben drei Auswärtsspielen in Chemnitz, Selb und bei den Hannover Scorpions, testet der Oberligist auch dreimal zu Hause. Die genauen Termine:

Freitag, 8. September, 20 Uhr: Dresdner Eislöwen
Sonntag, 17. September: Selber Wölfe
Sonntag, 24. September: Hannover Scorpions

 


    Januar 2018
MDMDFSS
1 2 Saale Bulls Halle - Hannover Scorpions 3 4 5 Füchse Duisburg - Saale Bulls Halle
Füchse Duisburg - Saale Bulls Halle
6 7 Saale Bulls Halle - Tilburg Trappers
8 9 10 11 12 Hannover Indians - Saale Bulls Halle 13 14 Saale Bulls Halle - EXA Icefighters Leipzig
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